Das Schloss Roseck

Kulturdenkmal mit atemberaubendem Panoramablick im Schönbuch.

Marienkapelle

Die Marienkapelle, in ihrem heutigen Zustand, wurde erst 1923 von den Architekten Schlösser und Herkommer aus Stuttgart in neoklassizistischem Stil geplant und erbaut. Die Innenausstattung gestaltete der Horber Bildhauer und Maler Wilhelm Klink. (1874-1952). Von ihm stammt unter anderem das Deckengemälde, das den Bauherren Franz Xaver Öchsle und seine Frau bei der Einweihung der Kapelle durch Bischof von Keppler zeigt.

Ausgangspunkt dieser Recherche war der Befund, dass die Kunstobjekte in der Kapelle zum Teil sehr viel älter sind als die Kapelle selbst. Da die Burg bzw. das Schloss im Laufe seiner Geschichte im Besitz von kirchlichen Gruppen und Institutionen war, den Zisterziensermönchen aus Bebenhausen und später den Franziskanerinnen von Heiligenbronn, lag die Vermutung nahe, dass es im Schloss bzw. der Burg eine andere Kapelle oder zumindest einen kapellenähnlichen Raum gegeben haben musste, aus dem diese Oobjekte stammen könnten. Eine Vermutung, für die sich keine Bestätigung durch Dokumente finden ließ.

Nach umfangreichen Archivrecherchen konnte im „Archiv für christliche Kunst“ Heidelberg von 1929 ein Artikel von Kunsthistoriker Prof. Dr. J. Rohr ausfindig gemacht werden, in dem die Kapelle als Bauwerk beschrieben und auf ihre Ausstattung eingegangen wird. Leider beschränkt sich die Beschreibung des Inneren auf eine Aufzählung der Objekte. Details zur Herkunft, den betreffenden Künstlern und zum Alter der Objekte werden von Dr. Rohr nicht gemacht.

Ausgangslage der historischen Dokumente:

Bei Recherchen in den Stadtarchiven von Tübingen, Herrenberg und Rottenburg ließen sich keine relevanten historischen Dokumente zu Schloss Roseck finden.

Das Diözesanarchiv der Katholischen Kirche Rottenburg hat diverse Unterlagen, die allerdings nicht die künstlerische Ausstattung der Kapelle betreffen.

Auch das Firmenarchiv des einstigen Schloss-Besitzers Franz Xaver Oechsle (Firma Plochina) Esslingen hat keine den Fall betreffende Unterlagen. Die älteren in Salach/Fils lebende Nachfahren von Franz Xaver Oechsle kennen zwar die Kapelle, haben aber keine Informationen oder Unterlagen.

1947 übernahm die Kongregation der Franziskanerinnen von Heiligenbronn das Schloss. In deren Archiv fand sich eine „Chronik über Schloss Roseck“ (Gebrüder Metz Verlag), in welcher der Altarraum der Marienkapelle auf einer Schwarzweisaufnahme gezeigt wird. Weitere Unterlagen waren dort nicht zu finden.

Herkunft der Kunstobjekte

Kunsthistoriker Prof. Rohr erwähnt in seinem Aufsatz „Die Schlosskapelle von Roseck“, dass ihr Bauherr der Esslinger Fabrikant Franz Oechsle Kunstwerke gesammelt und erworben hat, mit dem Plan die zukünftige Kapelle damit zu bestücken. Rohr erwähnt: “ein Altarbild, (Kreuzweg-) Stationen, dekorative und figurale Glasgemälde, verschiedene Putten, Bronzestatuen, Leuchter aus Meissner Porzellan und Holzplastik.“ Letzteres bezieht sich auf einen großen spätgotischen Kruzifixus. Von diesen Objekten sind erhalten: das barocke Altarbild, die 14 Kreuzwegstationen aus dem frühen 19. Jahrhundert, das Kruzifix und diverse dekorative und figürliche Glasfenster. Sie sind Gegenstand der Recherche und Thema und der folgenden Beschreibung.

1.) Das Altarbild

Wo und wann Franz Oechsle das barocke Altarbild erworben hatte, lässt sich nicht ermitteln. Thema und Motiv des Bildes ist die Ekstaste des St. Franziskus. Das Bild zeigt den schwarzgewandeten, knienden Heiligen, der mit der rechten Hand ein flammendes Herz einem in wallendes, rotes Tuch gekleideten Jesus entgegenhält. Dieser zeigt dem Betrachter seine Stigmata. Der Heilige wird von einem Engel gehalten, der eine Hand auf seine Schultern legt. Fünf Putti in unterschiedlicher Größe bevölkern das Bild. Die malerische Qualität des sicher mehrfach restaurierten Bildes zeigt sich vor allem in der Behandlung der Gliedmaßen (Finger und Hände), den raffinierten Schattenpartien und der räumlich komplexen Komposition. Das Gemälde ist 174 cm hoch und 103 breit, die Technik ist Öl auf Leinwand. Das Bild wurde vom Horber Maler Wilhelm Klink in einen neuen Rahmen gefügt. Dazu Prof. Rohr: „ Klink hat sich auf einen vornehmen Goldrahmen mit Putten und wenigen Ornamenten beschränkt, aber eben damit eine ruhige, feierliche Wirkung erzielt.“ Das Bild selbst ist einem Meister aus dem Umkreis von Franz Anton Maulpertsch (1724-1796) zuzuordnen. Da nur die Vorderseite untersucht werden konnte, ergaben sich es auch keine Hinweise auf evtl. Beschriftungen. Das Gemälde ist unter konservatorischen Gesichtspunkten in keinem guten Zustand. Der deckende Firniss ist vergilbt, die Bildfläche selbst ist durch Farbspritzer (weiße Wandfarbe) verschmutzt. Als restauratorische Maßnahmen empfiehlt sich eine Firnissabnahme, die Untersuchung und Säuberung der Rückseite, und eine Straffung der Leinwand.

Ekstase des St. Franziskus

2.) Der Kreuzweg

Es handelt sich um 14 Gemälde, 74x 60 cm, Öl auf Leinwand, Der Maler kommt aus Süddeutschland, die Bilder sind in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Sie zeigen die Ereignisse in dramatischem Licht, um die Emotionen der Gläubigen zu schüren. Die Farbgebung ist expressiv mit zum Teil grellen Kontrasten. Die Bilder bedürfen restauratorischer Behandlung, teilweise löst sich die Malschicht, bei einigen ist der Firniss verschmutzt. Die Keilrahmen sollten dringend nachgespannt werden. Der Versicherungswert der 14 Bilder liegt bei 40.000 Euro.

Im Folgenden Abbildungen und Benennungen der Stationen:

Christus vor Pontius Pilatus
Kreuztragung und Verspottung Christi
Jesus fällt zum ersten mal
Jesus begegnet seiner Mutter
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
Jesus begegnet den weinenden Frauen
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
Jesus wird seiner Kleider beraubt
Jesus wird an das Kreuz genagelt
Jesus stirbt am Kreuz
Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.
Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

Laut Prof. J. Rohr wurde der Kreuzweg von Franz Oechsle im Kunsthandel erworben.

3.) Das Kruzifix

Auf der Wand rechts vom Altar befindet sich ein hölzernes Kruzifix, das mit einer Größe von über 2,30 Metern die Dimensionen der Kapelle sprengt. Es wurde ebenfalls von Franz Oechsle im Kunsthandel erworben. Bei Kruzifix handelt es sich um einen sogenannten Dreinageltypus aus Lindenholz. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert ist wohl süddeutsch und war vormals farbig gefaßt. Die letztere Vermutung bestätigte sich durch eine Abbildung aus der Broschüre „Chronik über Schloss Roseck“ Gebrüder Metz Verlag. Dort ist auf einer Schwarzweißfotografie das Kruzifix abgebildet. Erkennbar ist deutlich, dass das aufgebauschte Lendentuch vergoldet und der Körper fleischfarbig gefasst war. Vermutlich wurde es in den 60er Jahren abgelaugt, was den Wert des Objekts erheblich verringert.

Das Kruzifix
Kruzifix: Zustand heute (gefasster Zustand in den 50er Jahren)

4.) Die ornamentalen Glasfenster

Zwei ornamentale Glasfenster befinden sich an der Nord- und der Südseite der Kapelle. Sie stammen vermutlich von dem aus Horb stammenden Künstler Wilhelm Klink. Klink war mit der Ausstattung der Kapelle betraut. Bauherr Oechsle hatte ihn beauftragt, historische Objekte aus seiner Sammlung in die Kapelle einzubetten und die Gestaltung des Interieurs auf diese abzustimmen. Sie zeigen einen historisierenden Stil, in dem sich jugendstilartige Formen verfangen. Es ist zu vermuten dass Klink die Fenster entworfen und von einem Fachbetrieb hat anfertigen lassen hat.

Ornamentales Glasfenster

Die sechs figürlichen Bleiglasfenster sind aus der vorhandenen Sammlung von Franz Oechsle und sie entstammen unterschiedlichen Zeiten und Epochen.

Kirchenväter: Zwei der Glasfenster stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert und stellen die katholischen Kirchenväter Augustinus und Gregor der Großen dar. Sie wurden vermutlich aus einem Ensemble herausgelöst, Hieroymus und Ambrosius fehlen. Die Figuren sind mit traditionellen Attributen dargestellt und mit lateinischer Losung unterzeichnet.

Ornamentales Glasfenster
Papst Gregor mit Dreifachkrone und dem Spruch „pasce agnos meos“ („Hüte meine Lämmer“)

Fenster um 1830: Schwarzlotmalerei, gefasst in spitzbogiger Bleiverglasung, Gussglasscherben verziert durch Ätzung und Schliff.

Augustinus als Kirchenvater und Bischof mit dem Spruch „ecce sacerdos magnus“ („Siehe ein großer Priester“)

Fenster um 1830: Schwarzlotmalerei, gefasst in spitzbogiger Bleiverglasung, Scherben verziert durch Ätzung und Schliff.

Bei den folgenden Fenstern erwies sich eine Datierung der Fenster schwierig, die Urteile von hinzugezogenen Fachleuten waren nicht übereinstimmend. Manche Scheiben wiesen spätgotische Merkmale und Motive auf und zeigten gleichzeitig Spuren technischer Verfahren des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Die Vermutung liegt nahe, dass Franz Oechsle auch Fragmente und Teile von historischen Bleiverglasungen gesammelt hat. Diese Teile wurden schließlich von einem Kunsthandwerker mit neuen Bleistegen und Glasergänzungen verlötet und mit einer Rahmenverglasung versehen. Dann wurden sie in die Kapelle eingebaut.

Ornamentales Glasfenster
Auferstehung, Schwarzlotmalerei auf gefärbtem Glas, Rahmenverglasung
Christie Geburt, Schwarzlotmalerei auf gefärbtem Glas unter Verwendung von älteren Scherben.

Zwei weitere figürliche Glasbilder in der Sakristei sind unter Verwendung von spätmittelalterlichen Fragmenten in die Kapellenwand eingesetzt. Es handelt sich um Darstellungen der Schutzpatrone der Mediziner, Lukas und Cosmas. Sie könnten eventuell aus einer Seitenkapelle einer größeren Kirche stammen.

Die Darstellung zeigt Lukas nicht mit seinen traditionellen Attributen, einem Ochsen oder einer Staffelei, er ist hier als Patron der Ärzte lesend, mit einem Buch dargestellt. Die hochrechteckige Form legt nahe, dass das Glasbild nur ein Detail aus einem größeren Kirchenfenster ist. Spätmittelalterlich sind die Handpartien, Teile des Gewands. Die Bleistege sind erneuert. Auch das krönende gotische Blattwerk ist vermutlich neueren Datums, wie auch das Gesicht des Dargestellten.

Ornamentales Glasfenster

Das dazugehörige Pendant zeigt Cosmas, den Schutzheiligen der Ärzte und Apotheker, mit einem Apothekerglas in der Hand.

In eine den Kopf umkreisenden Aureole ist sein Name eingeschrieben. Auch hier sind Partien der Hände, des Gewands und des Bodens spätmittelalterlichen Ursprungs, die Bleistege sind erneuert, die Rahmenverglasung stammt aus dem frühen 20sten Jahrhundert.